"Das ganze Leben geht auf eine Begegnung zu." Benedikt XVI.

Effata, das heißt: Öffne dich

Lesungen zum 23. Sonntag im Jahrskreis: Jes 35,4-7a;Ps 146,6-7.8-9a.9b-10;Jak 2,1-5;Mk 7,31-37

„Es gibt ein inneres Verschlossensein, das den tiefen Kern der Person betrifft, jenen Kern, den die Bibel das »Herz« nennt. Und Jesus ist gekommen, dieses zu »öffnen«, zu befreien, um uns fähig zu machen, in Fülle die Beziehung mit Gott und den anderen zu leben. Deshalb also sagte ich, daß dieses kleine Wort »effata – öffne dich« in sich die ganze Sendung Christi zusammenfaßt. Er ist Mensch geworden, damit der durch die Sünde in seinem Inneren taub und stumm gewordene Mensch fähig wird, die Stimme Gottes zu hören, die Stimme der Liebe, die zu seinem Herzen spricht, und damit er so lerne, seinerseits die Sprache der Liebe zu sprechen, mit Gott und mit den anderen zu kommunizieren.“

Benedikt XVI, Angelus am 09.09.2012

„Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir“ (Mk 7, 6)

Lesungen zum 22. Sonntag im Jahreskreis: Dtn 4,1-2.6-8;Ps 15,2-3.4.5;Jak 1,17-18.21b-22.27;Mk 7,1-8.14-15.21-23

„Auch heute lädt uns der Herr ein, dieser Gefahr zu entgehen, der Form mehr Bedeutung beizumessen als der Substanz. Er ruft uns auf, immer wieder zu erkennen, was der wahre Mittelpunkt der Erfahrung des Glaubens ist, nämlich die Liebe zu Gott und zum Nächsten, die ihn von der Heuchelei des Legalismus und des Ritualismus reinigt. …

Auch hier darf es keine äußere, sondern es muss eine innere, substanzielle Haltung sein: Es bedeutet, wachsam zu sein, damit unsere Art zu denken und zu handeln nicht durch die weltliche Mentalität, das heißt durch Eitelkeit, Gier, Stolz verunreinigt werde. Ein Mann oder eine Frau, die in Eitelkeit, Geiz und Stolz leben und gleichzeitig glauben und sehen lassen, dass sie religiös sind, und sogar andere verurteilen, sind in Wirklichkeit Heuchler.“

Papst Franziskus, Angelus 02.09.2018

"Du hast Worte des ewigen Lebens"

Lesungen zum 22. Sonntag im Jahreskreis Jos 24,1-2a.15-17.18b;Ps 34,2-3.16-17.18-19.20-21.22-23;Eph 5,21-32;Joh 6,60-69

„»Wollt auch ihr weggehen?« Auf die Frage Jesu antwortet Petrus im Namen der Apostel und der Gläubigen aller Zeiten: »Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes« (V. 68– 69). Liebe Brüder und Schwestern, auch wir können und wollen jetzt die Antwort des Petrus wiederholen, zwar im Bewußtsein unserer menschlichen Gebrechlichkeit, unserer Probleme und Schwierigkeiten, jedoch im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes, die in der Gemeinschaft mit Jesus zum Ausdruck kommt und offenbar wird. Der Glaube ist Geschenk Gottes an den Menschen, und gleichzeitig ist er freie und vollständige Überantwortung des Menschen an Gott; der Glaube ist fügsames Hören auf das Wort des Herrn, das eine »Leuchte« für unsere Schritte und ein »Licht« für unsere Pfade ist (vgl. Ps 119,105).“

Benedikt XVI, Angelus 23.08.2009

Es ist seine Liebe, die über den Tod siegt

Krönung Mariens im Himmel (Apsismosaik in der Kirche Maria Santa Maria Maggiore Rom von Jacopo Torriti um 1296)

„Liebe Freunde, beschränken wir uns nicht darauf, Maria in ihrer Bestimmung zur Herrlichkeit als einen Menschen zu bewundern, der weit weg von uns ist: Nein! Wir sind dazu aufgerufen, auf das zu blicken, was der Herr in seiner Liebe auch für uns gewollt hat, für unsere endgültige Bestimmung: durch den Glauben mit ihm in der vollkommenen Gemeinschaft der Liebe zu leben und so wahrhaft zu leben. …

Es ist seine Liebe, die über den Tod siegt und uns die Ewigkeit schenkt, und es ist diese Liebe, die wir »Himmel« nennen: Gott ist so groß, daß er auch für uns Platz hat. Und der Mensch Jesus, der gleichzeitig Gott ist, ist für uns die Gewährleistung dessen, daß Mensch-Sein und Gott-Sein auf ewig miteinander existieren und leben können. Das will heißen, daß von einem jeden von uns nicht nur ein Teil fortbestehen wird, der uns sozusagen entrissen worden ist, während andere Teile vergehen; es will vielmehr besagen, daß Gott den ganzen Menschen, der wir sind, kennt und liebt. Und Gott nimmt in seine Ewigkeit das auf, was jetzt, in unserem Leben, das aus Leiden und Liebe, aus Hoffnung, Freude und Traurigkeit besteht, wächst und ins Sein kommt. Der ganze Mensch, sein ganzes Leben wird von Gott genommen und empfängt – in ihm gereinigt – die Ewigkeit.“

Aus einer Predigt von Benedikt XVI

„Sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“

Lesungen zum 16. Sonntag im Jahreskreis: Jer 23,1-6;Ps 23,1-3.4.5.6;Eph 2,13-18;Mk 6,30-34

„Das Wort Gottes des heutigen Sonntags legt uns ein grundlegendes und stets faszinierendes Thema der Bibel vor: es ruft uns in Erinnerung, daß Gott der Hirt der Menschheit ist. Dies bedeutet, daß Gott für uns das Leben will, er will uns auf gute Weiden führen, auf denen wir Nahrung und Ruhe finden können; er will nicht, daß wir uns verlieren und sterben, sondern daß wir zum Ziel unseres Weges gelangen, das eben die Fülle des Lebens ist. Das ist es, was jeder Vater und jede Mutter für ihre Kinder ersehnen: das Wohl, das Glück, die Erfüllung. Im heutigen Evangelium stellt sich Jesus als der Hirt der verlorenen Schafe des Hauses Israels vor.  …

Worin besteht diese tiefe Heilung, die Gott durch Jesus wirkt? Sie besteht in einem wahren, vollständigen Frieden, der Frucht der Aussöhnung des Menschen mit sich selbst und in all seinen Beziehungen ist: mit Gott, mit den anderen, mit der Welt. Tatsächlich versucht der Widersacher unaufhörlich, das Werk Gottes zu zerstören und Zwietracht im Herzen des Menschen zu säen, zwischen Leib und Seele, zwischen dem Menschen und Gott, in den zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und internationalen Beziehungen und auch zwischen dem Menschen und der Schöpfung. Der Widersacher sät Krieg; Gott schafft Frieden.“

Benedikt XVI Angelus am 22. Juli 2012