„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Advent

Lesungen zum 1. Advent: Jes 2,1-5;Ps 122,1-3.4-5.6-7.8-9;Röm 13,11-14a;Mt 24,29-44

„Denken wir kurz über die Bedeutung dieses Wortes nach, das mit »Anwesenheit«, »Ankunft«, »Kommen« übersetzt werden kann. In der Sprache der alten Welt war es ein Fachausdruck, der die Ankunft eines Amtsträgers, besonders die Ankunft des Königs oder des Kaisers in der Provinz bezeichnete. Er konnte aber auch die Ankunft der Gottheit ausdrücken, die aus ihrer Verborgenheit hervortritt und machtvoll ihre Gegenwart erweist oder deren Anwesenheit im Kult feierlich begangen wurde. Die Christen übernahmen den Begriff »Advent«, um ihre besondere Beziehung zu Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen: Jesus ist der König, der in diese armselige Provinz Erde gekommen ist und ihr seinen Besuch schenkt; er lässt alle, die an ihn glauben, die an seine Gegenwart in der liturgischen Versammlung glauben, an der Feier seines Advents teilhaben. Mit dem Wort »adventus« wollte man im Wesentlichen sagen: Gott ist da, er hat sich nicht von der Welt zurückgezogen, er hat uns nicht alleingelassen. Auch wenn wir ihn nicht sehen und berühren können wie die sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeiten, ist er doch da und kommt auf vielerlei Weise zu uns.“

Aus einer PREDIGT VON BENEDIKT XVI. 28.11.2009

Die Allmacht Gottes erweist sich in der Macht der Liebe

Lesungen zum Christkönigssonntag 2 Sam 5,1-3;Ps 122,1-3.4-5;Kol 1,12-20;Lk 23,35b-43

Ausschnitt aus einem Mosaik in der Kapelle Sancta Sanctorum (Lateran, Rom)

„‘Jesus gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst‘ die im Evangelium überlieferten Worte des rechten Schächers sind das erste von einem Menschen an Jesus gerichtet Gebet in der Geschichte. …

In diesem Moment als der Schächer, dieser Widerstandskämpfer, in Jesus die göttliche Barmherzigkeit sieht, versteht er, dass er sich geirrt hat, dass das Reich Gottes nicht einfach aus unseren eigenen Kräften, nicht mit Gewalt errichtet werden kann. Ein solches Reich wäre nicht das Reich Gottes, sondern ein menschliches und auch unmenschliches Reich.

Im Antlitz des Herrn erkennt er das wahre Antlitz Gottes und so versteht er auch die Wahrheit des Reiches Gottes; dass die göttliche Macht verschieden ist von der menschlichen Macht, dass die größte Macht nicht die Macht zu zerstören ist, sondern dass die wahre Macht darin besteht, das Herz zu verwandeln, den Menschen aus seinem Inneren heraus zu verwandeln, dass die wahre Macht jene so schwache scheinbar zerbrechliche Macht der Liebe ist, die in Jesus erscheint. Er versteht, dass die Allmacht Gottes sich nicht in der Macht zu zerstören zeigt, sondern sich in Christus erweist, in der Macht der Liebe, die, gerade in dieser Situation, die wahre Macht bleibt, die das wahre menschliche Reich errichtet, weil sie das Reich Gottes in der Welt errichtet, das Reich der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit.“

Joseph Ratzinger, Christkönig 1992, JRGS 14/2

Unser Leben ruht in seinen Händen

Lesungen zum 33. Sonntag im Jahreskreis: Mal 3,19-20b;Ps 98,5-6.7-8.9;2 Thess 3,7-12;Lk 21,5-19

„… Als Jesus diese Rede hält, steht er vor dem Tempel von Jerusalem und lässt sich dabei von der Bewunderung der Leute für die Schönheit des Heiligtums und seiner Pracht anregen. So sagt Jesus: »Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden«. Wir können uns die Wirkung dieser Worte auf die Jünger Jesu vorstellen! Er aber will nicht schlecht über den Tempel reden, sondern seine Jünger und auch uns heute verstehen lassen, dass die menschlichen Bauten, auch die heiligsten, von begrenzter Dauer sind und uns keine absolute Sicherheit geben können. …

Im Evangelium mahnt uns Jesus, in Geist und Herz die sichere Gewissheit zu haben, dass Gott unsere Geschichte führt und das letzte Ziel der Dinge und Ereignisse kennt. Unter dem barmherzigen Blick des Herrn spielt sich die Geschichte in ihrem ungewissen Fluss und in ihrem Flechtwerk des Guten und des Bösen ab. Doch alles, was geschieht, wird in ihm bewahrt; unser Leben kann nicht verloren gehen, da es in seinen Händen ruht. …“

PAPST FRANZISKUS ANGELUS, 13. November 2016

Wir sind Kinder Gottes

Lesungen zum 32. Sonntag in Jahreskreis 2 Makk 7,1-2.7a.9-14;Ps 17,1 u. 3c-4.5-6.8 u. 15;2 Thess 2,16 - 3,5;Lk 20,27-38

„ … Jesus geht nicht in die Falle und antwortet, dass die Auferstandenen im Jenseits »nicht heiraten, noch lassen sie sich heiraten. Denn sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind« (V. 35-36). So antwortet Jesus.

Mit dieser Antwort lädt Jesus vor allem seine Gesprächspartner – und auch uns – dazu ein, zu denken, dass diese irdische Dimension, in der wir jetzt leben, nicht die einzige Dimension ist, sondern dass es eine andere, nicht mehr dem Tod unterworfene Dimension gibt, in der in vollem Umfang offenbar werden wird, dass wir Kinder Gottes sind. Es schenkt großen Trost und Hoffnung, jenes einfache und klare Wort Jesu über das Leben jenseits des Todes zu hören; wir brauchen dies so sehr, besonders in dieser unserer Zeit, die so reich an Wissen über das Universum ist, aber so arm an Weisheit über das ewige Leben. … “

Aus Franziskus Angelus am 10.11.2019

Gott hingegen verurteilt die Sünde, versucht aber, den Sünder zu retten

Lesungen zum 31. Sonntag im Jahrenskreis: Weish 11,22 - 12,2;Ps 145,1-2.8-9.10-11.13c-14;2 Thess 1,11 - 2,2;Lk 19,1-10

„… Er war neugierig. Und da er klein von Gestalt war, lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, »um Jesus zu sehen« (V. 4). Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sah ihn (vgl. V. 5).

Und das ist wichtig: der erste Blick ist nicht jener des Zachäus, sondern der Blick Jesu, der unter den vielen Gesichtern, die ihn umgaben – die Menschenmenge – genau dieses sucht. Der barmherzige Blick des Herrn erreicht uns noch bevor wir erkennen, dass wir ihn brauchen, um errettet zu werden. Und mit diesem Blick des göttlichen Meisters beginnt das Wunder der Umkehr des Sünders. Tatsächlich ruft Jesus ihn und nennt ihn beim Namen: »Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben« (V. 5). Er macht ihm keine Vorwürfe, er hält ihm keine »Predigt«; er sagt ihm, dass er zu ihm gehen muss: »er muss«, weil das der Wille des Vaters ist. Trotz des empörten Raunens der Leute beschließt Jesus, im Haus jenes öffentlichen Sünders zu bleiben. …“

Franziskus, Angelus 03.11.2019