"Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht." Benedikt XVI.
Lesungen zum Gedenktag Allerseelen: Ijob 19,1.23-27a;Ps 42,2-3.5bcd;43,3-4;Röm 8,14-23;Joh 5,24-29

„Angesichts dieser Realität (des Todes) sucht der Mensch aller Epochen einen Lichtschimmer, der ihn hoffen läßt, der noch vom Leben spricht, und auch der Besuch an den Gräbern bringt diesen Wunsch zum Ausdruck. Aber wie antworten wir Christen auf die Frage des Todes? Wir antworten mit dem Glauben an Gott, mit einem Blick der festen Hoffnung, die auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi gegründet ist. Dann ist der Tod auf das Leben hin offen, auf das ewige Leben, das nicht eine unendliche Kopie der gegenwärtigen Zeit ist, sondern etwas vollkommen anderes.
Weiterlesen: Wahre Unsterblichkeit ist vollkommene Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott
Lesungen zum 30. Sonntag im Jahreskreis: Jer 31,7-9;Ps 126,1-2b.2c-3.4-5.6;Hebr 5,1-6;Mk 10,46b-52

Bartimäus macht nicht viele Worte. Er sagt das Wesentliche und vertraut sich der Liebe Gottes an, der sein Leben wieder zum Blühen bringen kann, indem er tut, was den Menschen unmöglich ist. Deshalb bittet er den Herrn nicht etwa um Almosen, sondern er zeigt alles, seine Blindheit und sein Leiden, das über das Nicht-Sehen-Können hinausgeht. Die Blindheit war nur die Spitze des Eisbergs, aber in seinem Herzen wird es Wunden, Demütigungen, enttäuschte Hoffnungen, Fehler und Reue gegeben haben. Er hat mit seinem Herzen gebetet. Und wir? Schließen wir, wenn wir Gott um eine Gnade bitten, auch unsere eigene Geschichte, unsere Wunden, Demütigungen, enttäuschte Hoffnungen, Fehler und Reue in unser Gebet ein?
Lesungen vom 29. Sonntag im Jahreskreis: Jes 53,10-11;Ps 33,4-5.18-20 u. 22;Hebr 4,14-16;Mk 10,35-45
„Der Weg des Dienens ist das wirksamste Gegenmittel gegen die Krankheit der Suche nach den ersten Plätzen; es ist die Medizin für diejenigen, die dem Karrieredenken nachhängen, dieser Suche nach den ersten Plätzen, die so viele menschliche Kontexte ansteckt und nicht einmal die Christen, das Volk Gottes, auch nicht die kirchliche Hierarchie verschont. Deshalb nehmen wir als Jünger Christi dieses Evangelium als einen Ruf zur Umkehr an, um mit Mut und Großherzigkeit eine Kirche zu bezeugen, die sich zu den Füßen der Letzten herabbeugt, um ihnen mit Liebe und Einfachheit zu dienen.“
Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis: Weish 7,7-11;Ps 90,12-13.14-15.16-17;Hebr 4,12-13;Mk 10,17-30
„Die heutige Liturgie unterbreitet uns die Begegnung zwischen Jesus und einem Mann, der »ein großes Vermögen hatte« (Mk 10,22) und als »reicher junger Mann« in die Geschichte einging (vgl. Mt 19,20-22). … Seine Begegnung mit Jesus ermöglicht es uns, unseren Glauben zu testen. Wenn ich dies lese, dann teste ich meinen Glauben. … Liebe Brüder und Schwestern, ein Glaube ohne zu geben, ein Glaube ohne Unentgeltlichkeit ist ein unvollständiger Glaube, er ist ein schwacher Glaube, ein kranker Glaube. … Ein Glaube ohne Gabe, ohne Unentgeltlichkeit, ohne Werke der Nächstenliebe macht uns am Ende traurig: wie diesen Mann, der, obwohl er von Jesus selbst mit Liebe betrachtet wurde, »betrübt« und »traurig« nach Hause ging (V. 22). Heute können wir uns fragen: »An welchem Punkt ist mein Glaube? Lebe ich ihn als etwas Mechanisches, als eine Pflicht-Beziehung oder als eine des Interesses an Gott? Erinnere ich mich daran, ihn zu nähren, indem ich mich von Jesus anschauen und lieben lasse?« Sich von Jesus anschauen und lieben lassen; zulassen, dass Jesus uns anschaut, uns liebt. »Und wenn ich mich zu ihm hingezogen fühle, antworte ich dann mit Unentgeltlichkeit, mit Großzügigkeit, von ganzem Herzen?«“
PAPST FRANZISKUS aus dem ANGELUS Petersplatz Sonntag, 10. Oktober 2021
Lesungen vom 27. Sonntag im Jahreskreis: Gen 2,18-24;Ps 128,1-2.3.4-6;Hebr 2,9-11;Mk 10,2-16
„Wir erinnern uns – es war vor zwei Sonntagen das Tagesevangelium –, dass Jesus sich durch die Geste, ein Kind zu umarmen, mit den Kleinen identifizierte … Heute greift der Herr diese Lehre wieder auf und vervollständigt sie. Tatsächlich fügt er sogar hinzu: »Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen« (Mk 10,15). Das ist das Neue: der Jünger soll nicht nur den Kleinen dienen, sondern sich selbst als klein erkennen. Und erkennt sich ein jeder von uns als klein vor Gott? Lasst uns darüber nachdenken, das wird uns helfen. Das Wissen um die eigene Kleinheit, das Wissen um die eigene Erlösungsbedürftigkeit ist unerlässlich dafür, den Herrn zu empfangen. Das ist der erste Schritt, um uns ihm gegenüber zu öffnen. Oft vergessen wir das aber. Im Wohlstand, im Wohlergehen geben wir uns der Illusion hin, autark zu sein, uns selbst zu genügen, Gott nicht zu benötigen. Brüder und Schwestern, das ist eine Täuschung, denn jeder von uns ist ein bedürftiges Wesen, ein Kleiner. Wir müssen unsere eigene Kleinheit suchen und erkennen. Und dort werden wir Jesus finden.
Die Erkenntnis, klein zu sein, ist im Leben ein Ausgangspunkt dafür, groß zu werden.“