"Nur die Kirche kann den Menschen vor der erniedrigenden Knechtschaft bewahren, ein Kind seiner Zeit zu sein." C. K. Chesterton

Nähe Gottes zur Menschheit

„Der Sohn Gottes »kommt« in ihren Schoß, um Mensch zu werden, und sie nimmt ihn auf. Auf diese einzigartige Weise hat sich Gott dem Menschen genähert, indem er Fleisch angenommen hat von einer Frau: Gott näherte sich uns und hat Fleisch angenommen von einer Frau.

Auf andere Weise nähert sich Gott auch uns mit seiner Gnade, um in unser Leben einzutreten und uns seinen Sohn als Gabe anzubieten. Und wir – was tun wir? Nehmen wir ihn auf, lassen wir ihn nahekommen oder lehnen wir ihn ab, verjagen wir ihn? Wie Maria sich selbst aus freiem Willen dem Herrn der Geschichte angeboten und ihm so ermöglicht hat, die Geschicke der Menschheit zu ändern, so können auch wir, indem wir Jesus annehmen und versuchen, ihm alle Tage zu folgen, an seinem Plan des Heils für uns selbst und die Welt mitwirken. Maria erscheint uns somit als das Vorbild, auf das es zu blicken gilt, und als Stütze, auf die wir bei unserer Suche nach Gott, bei unserer Nähe zu Gott, bei diesem Zulassen, dass Gott sich uns nähert, und bei unserem Einsatz für den Aufbau der Zivilisation der Liebe zählen können.“

Franziskus 18.12.2016

„Der Advent ist eine Zeit der Gnade.“

Lesungen zum dritten Adventssonntag: Jes 35,1-6b.10;Ps 146,6-7.8-9a.9b-10;Jak 5,7-10;Mt 11,2-11

„An diesem dritten Adventssonntag, dem sogenannten Sonntag »Gaudete«, lädt uns das Wort Gottes einerseits zur Freude und andererseits zu dem Bewusstsein ein, dass das Dasein auch Momente des Zweifels umfasst, in denen es schwer ist zu glauben. Freude und Zweifel sind beide Erfahrungen, die Teil unseres Lebens sind. …

Der Advent ist eine Zeit der Gnade. Es sagt uns, dass es nicht genügt, an Gott zu glauben: es ist notwendig, unseren Glauben jeden Tag zu reinigen. Es geht darum, sich darauf vorzubereiten, nicht etwa eine Märchengestalt willkommen zu heißen, sondern den Gott, der uns herausfordert, der uns einbezieht und angesichts dessen eine Wahl getroffen werden muss. Das Kind, das in der Krippe liegt, hat das Gesicht unserer bedürftigsten Brüder und Schwestern, der Armen: »Gerade die Armen stehen diesem Geheimnis besonders nahe und sind oft diejenigen, die am besten in der Lage sind, die Gegenwart Gottes in unserer Mitte zu erkennen« (Apostolisches Schreiben Admirable signum, 6).“

Franziskus, 15.12.2019

Advent

Lesungen zum 1. Advent: Jes 2,1-5;Ps 122,1-3.4-5.6-7.8-9;Röm 13,11-14a;Mt 24,29-44

„Denken wir kurz über die Bedeutung dieses Wortes nach, das mit »Anwesenheit«, »Ankunft«, »Kommen« übersetzt werden kann. In der Sprache der alten Welt war es ein Fachausdruck, der die Ankunft eines Amtsträgers, besonders die Ankunft des Königs oder des Kaisers in der Provinz bezeichnete. Er konnte aber auch die Ankunft der Gottheit ausdrücken, die aus ihrer Verborgenheit hervortritt und machtvoll ihre Gegenwart erweist oder deren Anwesenheit im Kult feierlich begangen wurde. Die Christen übernahmen den Begriff »Advent«, um ihre besondere Beziehung zu Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen: Jesus ist der König, der in diese armselige Provinz Erde gekommen ist und ihr seinen Besuch schenkt; er lässt alle, die an ihn glauben, die an seine Gegenwart in der liturgischen Versammlung glauben, an der Feier seines Advents teilhaben. Mit dem Wort »adventus« wollte man im Wesentlichen sagen: Gott ist da, er hat sich nicht von der Welt zurückgezogen, er hat uns nicht alleingelassen. Auch wenn wir ihn nicht sehen und berühren können wie die sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeiten, ist er doch da und kommt auf vielerlei Weise zu uns.“

Aus einer PREDIGT VON BENEDIKT XVI. 28.11.2009

Die Allmacht Gottes erweist sich in der Macht der Liebe

Lesungen zum Christkönigssonntag 2 Sam 5,1-3;Ps 122,1-3.4-5;Kol 1,12-20;Lk 23,35b-43

Ausschnitt aus einem Mosaik in der Kapelle Sancta Sanctorum (Lateran, Rom)

„‘Jesus gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst‘ die im Evangelium überlieferten Worte des rechten Schächers sind das erste von einem Menschen an Jesus gerichtet Gebet in der Geschichte. …

In diesem Moment als der Schächer, dieser Widerstandskämpfer, in Jesus die göttliche Barmherzigkeit sieht, versteht er, dass er sich geirrt hat, dass das Reich Gottes nicht einfach aus unseren eigenen Kräften, nicht mit Gewalt errichtet werden kann. Ein solches Reich wäre nicht das Reich Gottes, sondern ein menschliches und auch unmenschliches Reich.

Im Antlitz des Herrn erkennt er das wahre Antlitz Gottes und so versteht er auch die Wahrheit des Reiches Gottes; dass die göttliche Macht verschieden ist von der menschlichen Macht, dass die größte Macht nicht die Macht zu zerstören ist, sondern dass die wahre Macht darin besteht, das Herz zu verwandeln, den Menschen aus seinem Inneren heraus zu verwandeln, dass die wahre Macht jene so schwache scheinbar zerbrechliche Macht der Liebe ist, die in Jesus erscheint. Er versteht, dass die Allmacht Gottes sich nicht in der Macht zu zerstören zeigt, sondern sich in Christus erweist, in der Macht der Liebe, die, gerade in dieser Situation, die wahre Macht bleibt, die das wahre menschliche Reich errichtet, weil sie das Reich Gottes in der Welt errichtet, das Reich der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit.“

Joseph Ratzinger, Christkönig 1992, JRGS 14/2

Unser Leben ruht in seinen Händen

Lesungen zum 33. Sonntag im Jahreskreis: Mal 3,19-20b;Ps 98,5-6.7-8.9;2 Thess 3,7-12;Lk 21,5-19

„… Als Jesus diese Rede hält, steht er vor dem Tempel von Jerusalem und lässt sich dabei von der Bewunderung der Leute für die Schönheit des Heiligtums und seiner Pracht anregen. So sagt Jesus: »Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden«. Wir können uns die Wirkung dieser Worte auf die Jünger Jesu vorstellen! Er aber will nicht schlecht über den Tempel reden, sondern seine Jünger und auch uns heute verstehen lassen, dass die menschlichen Bauten, auch die heiligsten, von begrenzter Dauer sind und uns keine absolute Sicherheit geben können. …

Im Evangelium mahnt uns Jesus, in Geist und Herz die sichere Gewissheit zu haben, dass Gott unsere Geschichte führt und das letzte Ziel der Dinge und Ereignisse kennt. Unter dem barmherzigen Blick des Herrn spielt sich die Geschichte in ihrem ungewissen Fluss und in ihrem Flechtwerk des Guten und des Bösen ab. Doch alles, was geschieht, wird in ihm bewahrt; unser Leben kann nicht verloren gehen, da es in seinen Händen ruht. …“

PAPST FRANZISKUS ANGELUS, 13. November 2016