„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Gott dürstet nach unserem Glauben

Lesungen zum 3. Fastensonntag: Ex 17,3-7;Ps 95,1-2.6-7c.7d-9;Röm 5,1-2.5-8;Joh 4,5-42

"All dies geht aus von der wirklichen und spürbaren Erfahrung des Durstes. Das Thema des Durstes durchzieht das ganze Johannesevangelium: angefangen bei der Begegnung mit der Samariterin bis hin zur großen Prophezeiung während des Laubhüttenfestes und zum Kreuz, als Jesus vor seinem Tod sagte, damit sich die Schrift erfüllte: »Mich dürstet«. Der Durst Christi ist eine Eingangspforte zum Geheimnis Gottes, der zum Dürstenden geworden ist, um unseren Durst zu löschen, so wie er arm geworden ist, um uns reich zu machen. Ja, Gott dürstet nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Wie ein guter und barmherziger Vater wünscht er für uns alles erdenkliche Gut, und dieses Gut ist er selbst. Die Frau aus Samarien hingegen stellt die existentielle Unzufriedenheit dessen dar, der nicht gefunden hat, was er sucht: Sie hat »fünf Männer« gehabt, und jetzt lebt sie mit einem anderen Mann zusammen. Ihr Kommen und Gehen zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, bringt ein immer gleiches und resigniertes Leben zum Ausdruck. Alles aber ändert sich für sie an jenem Tag durch das Gespräch mit Jesus, dem Herrn. Es erschütterte sie so sehr, dass sie sich veranlasst sah, den Wasserkrug stehenzulassen, in den Ort zu eilen und den Leuten zu sagen: »Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?«."

Benedikt XVI, aus dem Angelus am 24.02.2008

Vom Lärm des Alltags Abstand nehmen

Lesungen zum zweiten Fastensonntag Gen 12,1-4a;Ps 33,4-5.18-20 u. 22;2 Tim 1,8b-10;Mt 17,1-9

Raffaello Santi Verklärung Christi (Ausschnitt)

„Das Evangelium von der Verklärung des Herrn stellt uns die Herrlichkeit Christi vor Augen, die die Auferstehung vorwegnimmt und die Vergöttlichung des Menschen ankündigt. Die Gemeinschaft der Christen erkennt, dass sie wie die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes „beiseite […] auf einen hohen Berg“ (Mt 17,1) geführt wird, um in Christus, als Söhne im Sohn, wieder das Geschenk der göttlichen Gnade zu empfangen: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (V. 5). Es ist eine Einladung, vom Lärm des Alltags Abstand zu nehmen, um in die Gegenwart Gottes einzutauchen: Er möchte uns tagtäglich ein Wort zukommen lassen, das tief in unseren Geist eindringt, wo es Gut und Böse unterscheidet (vgl. Hebr 4,12), und das den Willen stärkt, dem Herrn nachzufolgen.“

Aus BOTSCHAFT VON BENEDIKT XVI. ZUR FASTENZEIT 2011

Wehrloser und hilfloser, je weiter wir uns von Gott entfernen

Lesungen zum 1. Fastensonntag Gen 2,7-9;3,1-7;Ps 51,3-4.5-6b.12-14.17;Röm 5,12-19;Mt 4,1-11

Wehrlosersonntag und hilfloser, je weiter wir uns von Gott entfernen

„Auch heute bricht Satan in das Leben der Menschen ein, um sie mit seinen verlockenden Vorschlägen in Versuchung zu führen. Er vermischt seine eigene Stimme mit den vielen Stimmen, die versuchen, das Gewissen zu zähmen. Von vielen Seiten kommen Botschaften, die die Menschen dazu einladen, sich »in Versuchung führen zu lassen«, den Rausch der Grenzüberschreitung zu erleben. Die Erfahrung Jesu lehrt uns, dass die Versuchung der Versuch ist, Wege zu gehen, die eine Alternative zu den Wegen Gottes sind: »Nun, tu dies, kein Problem, danach wird Gott vergeben! Gönne dir doch einen Tag der Freude…« – »Aber das ist eine Sünde!« – »Nein, es ist nichts.« Alternative Wege, Wege, die uns das Gefühl der Selbstständigkeit geben, des Genusses des Lebens als Selbstzweck. Doch all dies ist illusorisch: Sehr bald erkennen wir, dass wir uns angesichts der großen Probleme des Daseins umso wehrloser und hilfloser fühlen, je weiter wir uns von Gott entfernen.“

Franziskus, Angelus am 1.3.2020

Die Kette des Übels durchbrechen

Lesungen zum 7. Sonntag im Jahreskreis Lev 19,1-2.17-18;Ps 103,1-2.3-4.9-10.12-13;1 Kor 3,16-23;Mt 5,38-48

„Jesus fordert von seinen Jüngern nicht, das Übel hinzunehmen.
Im Gegenteil: Er fordert auf zu reagieren, aber nicht mit einem weiteren Übel, sondern mit dem Guten. Nur auf diese Weise wird die Kette des Übels gebrochen: ein Übel führt zu einem weiteren Übel, ein weiteres führt zu anderen... Es wird diese Kette des Übels durchbrochen, und die Dinge werden wirklich anders. Das Übel nämlich ist eine »Leere«, eine Leere ohne Gutes, und ein Leerraum kann man nicht mit einer weiteren Leere füllen, sondern nur mit einer »Fülle«, das heißt mit dem Guten. Die Vergeltung führt nie zur Lösung der Konflikte. »Du hast mir das angetan, ich tue es dir auch an«: das löst nie einen Konflikt, und es ist auch nicht christlich.“

Franziskus Angelus am 19.02.2017

Wenn man das Gesetz Gottes im Herzen annimmt

Lesungen zum 6. Sonntag im Jahreskreis Sir 15,15-20;Ps 119,1-2.4-5.17-18.33-34;1 Kor 2,6-10;Mt 5,17-37

„Wenn man das Gesetz Gottes im Herzen aufnimmt, begreift man, dass man, wenn man seinen Nächsten nicht liebt, in gewissem Sinn sich selbst und die anderen tötet, denn Hass, Rivalität und Spaltung töten die brüderliche Nächstenliebe, die die Grundlage der zwischenmenschlichen Beziehungen bildet. Und das gilt sowohl für das, was ich über die Kriege gesagt habe, als auch für das Geschwätz, denn die Zunge tötet. Wenn man das Gesetz Gottes im Herzen annimmt, begreift man, dass die Wünsche gesteuert werden müssen, denn man kann nicht alles haben, was man sich wünscht, und es ist nicht gut, egoistischen und possessiven Gefühlen nachzugeben. Wenn man Gottes Gesetz im Herzen annimmt, begreift man, dass man einen Lebensstil nicht eingehaltener Versprechen aufgeben muss, wie man auch vom Verbot des Meineids zu der Entscheidung übergehen muss, überhaupt nicht zu schwören und die Haltung der vollen Aufrichtigkeit gegenüber allen anzunehmen.“

Papst Franziskus, Angelus am 16. Februar 2020 (Auszug)