"Man darf nicht einfach aufgeben, das Evangelium zu verkündigen." Benedikt XVI.

Wir glauben an dich, weil du Worte des ewigen Lebens hast

Lesungen zum 5. Fastensonntag Ez 37,12b-14;Ps 130,1-2.3-4.5-6.7-8;Röm 8,8-11;Joh 11,1-45

„Das Herz Christi ist gott-menschlich: In ihm sind sich Gott und Mensch in vollkommener Weise begegnet, ungetrennt und unvermischt. Er ist das Bild, mehr noch: die Menschwerdung Gottes, der Liebe, Barmherzigkeit, väterliche und mütterliche Zärtlichkeit ist, des Gottes, der Leben ist. Deshalb erklärte er Marta feierlich: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben«. Und er fügte hinzu: »Glaubst du das?« (Joh 11,25–26). Eine Frage, die Jesus an jeden von uns richtet: eine Frage, die uns alle sicher übersteigt, die unsere Fähigkeit zu verstehen übersteigt und uns auffordert, uns ihm anzuvertrauen, wie er sich dem Vater anvertraut hat. Beispielhaft ist die Antwort Martas: »Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll« (Joh 11,27). Ja, Herr! Auch wir glauben, trotz unserer Zweifel und unserer Finsternisse; wir glauben an dich, weil du Worte des ewigen Lebens hast; wir wollen an dich glauben, der du uns eine verläßliche Hoffnung auf Leben über das Leben hinaus gibst, auf wahres und volles Leben in deinem Reich des Lichts und des Friedens."

Benedikt XVI, aus dem Angelus vom 09.03.2008

Lassen wir uns von Christus heilen

Lesungen zum 4. Fastensonntag: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b;Ps 23,1-3.4.5.6;Eph 5,8-14;Joh 9,1-41

„Dem geheilten Blinden offenbart Jesus, daß er in die Welt gekommen sei, um zu richten, um die heilbaren Blinden von denen zu scheiden, die sich nicht heilen lassen, weil sie meinen, gesund zu sein. Stark ist nämlich im Menschen die Versuchung, sich ein System ideologischer Sicherheit zu bauen: auch die Religion kann zum Element dieses Systems werden, wie auch der Atheismus oder der Laizismus. Wenn man so handelt, bleibt man allerdings vom eigenen Egoismus verblendet. Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns von Christus heilen, der uns das Licht Gottes schenken kann und will! Bekennen wir unsere Verblendung, unsere Kurzsichtigkeit und vor allem das, was die Bibel die »schwere Schuld« nennt (vgl. Ps 19,14): unseren Stolz.“

Benedikt XVI aus dem Angelus vom 2. März 2008

Gott dürstet nach unserem Glauben

Lesungen zum 3. Fastensonntag: Ex 17,3-7;Ps 95,1-2.6-7c.7d-9;Röm 5,1-2.5-8;Joh 4,5-42

"All dies geht aus von der wirklichen und spürbaren Erfahrung des Durstes. Das Thema des Durstes durchzieht das ganze Johannesevangelium: angefangen bei der Begegnung mit der Samariterin bis hin zur großen Prophezeiung während des Laubhüttenfestes und zum Kreuz, als Jesus vor seinem Tod sagte, damit sich die Schrift erfüllte: »Mich dürstet«. Der Durst Christi ist eine Eingangspforte zum Geheimnis Gottes, der zum Dürstenden geworden ist, um unseren Durst zu löschen, so wie er arm geworden ist, um uns reich zu machen. Ja, Gott dürstet nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Wie ein guter und barmherziger Vater wünscht er für uns alles erdenkliche Gut, und dieses Gut ist er selbst. Die Frau aus Samarien hingegen stellt die existentielle Unzufriedenheit dessen dar, der nicht gefunden hat, was er sucht: Sie hat »fünf Männer« gehabt, und jetzt lebt sie mit einem anderen Mann zusammen. Ihr Kommen und Gehen zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, bringt ein immer gleiches und resigniertes Leben zum Ausdruck. Alles aber ändert sich für sie an jenem Tag durch das Gespräch mit Jesus, dem Herrn. Es erschütterte sie so sehr, dass sie sich veranlasst sah, den Wasserkrug stehenzulassen, in den Ort zu eilen und den Leuten zu sagen: »Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?«."

Benedikt XVI, aus dem Angelus am 24.02.2008

Vom Lärm des Alltags Abstand nehmen

Lesungen zum zweiten Fastensonntag Gen 12,1-4a;Ps 33,4-5.18-20 u. 22;2 Tim 1,8b-10;Mt 17,1-9

Raffaello Santi Verklärung Christi (Ausschnitt)

„Das Evangelium von der Verklärung des Herrn stellt uns die Herrlichkeit Christi vor Augen, die die Auferstehung vorwegnimmt und die Vergöttlichung des Menschen ankündigt. Die Gemeinschaft der Christen erkennt, dass sie wie die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes „beiseite […] auf einen hohen Berg“ (Mt 17,1) geführt wird, um in Christus, als Söhne im Sohn, wieder das Geschenk der göttlichen Gnade zu empfangen: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (V. 5). Es ist eine Einladung, vom Lärm des Alltags Abstand zu nehmen, um in die Gegenwart Gottes einzutauchen: Er möchte uns tagtäglich ein Wort zukommen lassen, das tief in unseren Geist eindringt, wo es Gut und Böse unterscheidet (vgl. Hebr 4,12), und das den Willen stärkt, dem Herrn nachzufolgen.“

Aus BOTSCHAFT VON BENEDIKT XVI. ZUR FASTENZEIT 2011

Wehrloser und hilfloser, je weiter wir uns von Gott entfernen

Lesungen zum 1. Fastensonntag Gen 2,7-9;3,1-7;Ps 51,3-4.5-6b.12-14.17;Röm 5,12-19;Mt 4,1-11

Wehrlosersonntag und hilfloser, je weiter wir uns von Gott entfernen

„Auch heute bricht Satan in das Leben der Menschen ein, um sie mit seinen verlockenden Vorschlägen in Versuchung zu führen. Er vermischt seine eigene Stimme mit den vielen Stimmen, die versuchen, das Gewissen zu zähmen. Von vielen Seiten kommen Botschaften, die die Menschen dazu einladen, sich »in Versuchung führen zu lassen«, den Rausch der Grenzüberschreitung zu erleben. Die Erfahrung Jesu lehrt uns, dass die Versuchung der Versuch ist, Wege zu gehen, die eine Alternative zu den Wegen Gottes sind: »Nun, tu dies, kein Problem, danach wird Gott vergeben! Gönne dir doch einen Tag der Freude…« – »Aber das ist eine Sünde!« – »Nein, es ist nichts.« Alternative Wege, Wege, die uns das Gefühl der Selbstständigkeit geben, des Genusses des Lebens als Selbstzweck. Doch all dies ist illusorisch: Sehr bald erkennen wir, dass wir uns angesichts der großen Probleme des Daseins umso wehrloser und hilfloser fühlen, je weiter wir uns von Gott entfernen.“

Franziskus, Angelus am 1.3.2020