„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Die Kette des Übels durchbrechen

Lesungen zum 7. Sonntag im Jahreskreis Lev 19,1-2.17-18;Ps 103,1-2.3-4.9-10.12-13;1 Kor 3,16-23;Mt 5,38-48

„Jesus fordert von seinen Jüngern nicht, das Übel hinzunehmen.
Im Gegenteil: Er fordert auf zu reagieren, aber nicht mit einem weiteren Übel, sondern mit dem Guten. Nur auf diese Weise wird die Kette des Übels gebrochen: ein Übel führt zu einem weiteren Übel, ein weiteres führt zu anderen... Es wird diese Kette des Übels durchbrochen, und die Dinge werden wirklich anders. Das Übel nämlich ist eine »Leere«, eine Leere ohne Gutes, und ein Leerraum kann man nicht mit einer weiteren Leere füllen, sondern nur mit einer »Fülle«, das heißt mit dem Guten. Die Vergeltung führt nie zur Lösung der Konflikte. »Du hast mir das angetan, ich tue es dir auch an«: das löst nie einen Konflikt, und es ist auch nicht christlich.“

Franziskus Angelus am 19.02.2017

Wenn man das Gesetz Gottes im Herzen annimmt

Lesungen zum 6. Sonntag im Jahreskreis Sir 15,15-20;Ps 119,1-2.4-5.17-18.33-34;1 Kor 2,6-10;Mt 5,17-37

„Wenn man das Gesetz Gottes im Herzen aufnimmt, begreift man, dass man, wenn man seinen Nächsten nicht liebt, in gewissem Sinn sich selbst und die anderen tötet, denn Hass, Rivalität und Spaltung töten die brüderliche Nächstenliebe, die die Grundlage der zwischenmenschlichen Beziehungen bildet. Und das gilt sowohl für das, was ich über die Kriege gesagt habe, als auch für das Geschwätz, denn die Zunge tötet. Wenn man das Gesetz Gottes im Herzen annimmt, begreift man, dass die Wünsche gesteuert werden müssen, denn man kann nicht alles haben, was man sich wünscht, und es ist nicht gut, egoistischen und possessiven Gefühlen nachzugeben. Wenn man Gottes Gesetz im Herzen annimmt, begreift man, dass man einen Lebensstil nicht eingehaltener Versprechen aufgeben muss, wie man auch vom Verbot des Meineids zu der Entscheidung übergehen muss, überhaupt nicht zu schwören und die Haltung der vollen Aufrichtigkeit gegenüber allen anzunehmen.“

Papst Franziskus, Angelus am 16. Februar 2020 (Auszug)

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Lesungen zum 4. Sonntag im Jahreskreis: Zef 2,3;3,12-13;Ps 146,5 u. 7.8-9a.9b-10;1 Kor 1,26-31;Mt 5,1-12a

„Die Friedfertigen aber werden selig genannt, also die, die zuerst in ihrem Herzen und dann unter den streitenden Brüdern Frieden stiften. Was nützt es nämlich, wenn andere durch dich Frieden erlangen, während in deinem Herzen die Kämpfe der Laster toben?“ (Hieronymus)

„Friedensstifter sind nicht nur diejenigen, die Feinde miteinander versöhnen, sondern auch Menschen, die den Frieden lieben, ohne daß sie erfahrenes Unrecht im Gedächtnis nähren. Der selige Friede nämlich hat im Herzen seinen Sitz, nicht nur in den Worten.“ (Pseudo-Chrysostomus)

Catena Aurea

Bekehrung ist Verwandlung des Denkens

Lesungen zum 3. Sonntag im Jahreskreis: Jes 8,23b - 9,3;Ps 27,1.4.13-14;1 Kor 1,10-13.17;Mt 4,12-23

„Das ist wichtig: sich bekehren heißt nicht nur, seine Lebensweise zu verändern, sondern auch seine Denkweise. Es ist eine Verwandlung des Denkens. Es geht nicht darum, das Gewand zu wechseln, sondern die Gewohnheiten! Das, was Jesus von Johannes dem Täufer unterscheidet, sind der Stil und die Methode. Jesus entscheidet sich dafür, ein Wanderprediger zu sein. Er wartet nicht einfach auf die Leute, sondern er geht ihnen entgegen. Jesus ist immer auf der Straße! Zu seinen ersten missionarischen Unternehmen kommt es entlang des Sees von Galiläa, im Kontakt mit der Menschenmenge, besonders mit den Fischern. Dort verkündet Jesus nicht nur das Kommen des Reiches Gottes, sondern sucht Gefährten, um sie an seiner Sendung des Heils zu beteiligen. An diesem selben Ort begegnet er zwei Paaren von Brüdern: Simon und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Er ruft sie mit den Worten: »Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen« (V. 19). Der Ruf ergeht an sie mitten in ihrer alltäglichen Arbeit: der Herr offenbart sich uns nicht auf außergewöhnliche oder aufsehenerregende Weise, sondern in der Alltäglichkeit unseres Lebens. Dort müssen wir den Herrn finden; und dort offenbart er sich und lässt unser Herz seine Liebe verspüren; und dort – durch diesen Dialog mit ihm in der Alltäglichkeit des Lebens – verändert er unser Herz.“

Franziskus: Petersplatz Sonntag, 22. Januar 2017