"Glauben bedeutet, sich im Dunkeln an das erinnern, was man im Licht gesehen hat." Kardinal Meisner
Lesungen vom 6. Sonntag im Jahreskreis: Sir 15,15-20; Ps 119,1-2.4-5.17-18.33-34; 1 Kor 2,6-10; Mt 5,17-37
„Im Evangelium der heutigen Liturgie sagt Jesus: »Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen« (Mt 5,17). Erfüllen: das ist ein Schlüsselwort, um Jesus und seine Botschaft zu verstehen. … Die Botschaft ist klar: Gott liebt uns als Erster, unentgeltlich, und macht den ersten Schritt auf uns zu, ohne dass wir es verdient hätten; und folglich können wir seine Liebe nicht feiern, ohne unsererseits den ersten Schritt zur Versöhnung mit denen zu tun, die uns verletzt haben. So gibt es in den Augen Gottes Erfüllung, sonst ist die äußere, rein rituelle Einhaltung nutzlos, sie wird zur Verstellung. Mit anderen Worten: Jesus gibt uns zu verstehen, dass die religiösen Vorschriften dienen, dass sie nützlich und gut sind, dass sie allerdings nur der Anfang sind: Zu ihrer Erfüllung muss man über den Buchstaben hinausgehen und ihren Sinn leben. Die Gebote, die Gott uns gegeben hat, dürfen nicht in den erstickenden Tresoren der formalen Observanz eingeschlossen werden, sonst bleiben wir in einer äußeren und losgelösten Religiosität stecken, eher Diener eines »Gottes, der Meister ist« als Kinder Gottes des Vaters. Jesus will, dass wir nicht die Vorstellung hegen, einem herrischen Gott zu dienen, sondern dem Vater; und zu diesem Zweck ist es notwendig, über den bloßen Buchstaben hinauszugehen.“
Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis: Jes 58,7-10; Ps 112,4-5.6-7.8-9; 1 Kor 2,1-5; Mt 5,13-16
„Wie sollen wir das Wort verstehen "und stellen es unter den Scheffel"? Bedeutet es nur, das Licht zu verbergen (als würde er sagen: Niemand zündet ein Licht an und verbirgt es), oder meint "das Licht unter den Scheffel stellen" auch, die körperlichen Annehmlichkeiten über die Verkündigung der Wahrheit zu setzen? Unter den Scheffel stellt also jeder das Licht, der das Licht der guten Lehre mit zeitlichen Annehmlichkeiten überdeckt und verbirgt. Und treffend wird das körperliche Ding Scheffel genannt, sei es aufgrund der Zuteilung nach Maß - jeder erhält das, was er in seinem Körper vollbringt -, sei es, weil die zeitlichen Güter, die mit dem Körper erlebt werden, nach dem Maß der Tage (welche der Scheffel bedeutet) beginnen und vergehen; die ewigen und geistlichen Güter aber unterliegen keiner solchen Grenze. Auf den Leuchter aber stellt derjenige das Licht, der seinen Körper dem Dienst am Wort unterwirft, so daß die Predigt der Wahrheit höher steht als der Dienst am Körper: durch diese Beherrschung des Körpers nämlich leuchtet die Lehre erhabener, wenn sie den Hörern durch die Stimme und die übrigen leiblichen Regungen in guten Werken dargelegt wird.“ (Augustinus)
Lesungen vom 4. Sonntag im Jahreskreis: Zef 2,3;3,12-13; Ps 146,5 u. 7.8-9a.9b-10; 1 Kor 1,26-31; Mt 5,1-12a
„Die Seligpreisungen sind ein neues Lebensprogramm, um sich von den falschen Werten der Welt zu befreien und für die wahren Güter in Gegenwart und Zukunft zu öffnen. Wenn nämlich Gott tröstet, den Hunger nach Gerechtigkeit stillt und die Tränen der Trauernden trocknet, so bedeutet dies, daß er nicht nur einen jeden in spürbarer Weise belohnt, sondern das Himmelreich öffnet. Die Seligpreisungen sind Umsetzung von Kreuz und Auferstehung in die Jüngerexistenz. Sie spiegeln das Leben des Sohnes Gottes wider, der sich verfolgen und bis zur Verurteilung zum Tod verachten läßt, damit den Menschen das Heil geschenkt werde.“
Lesungen zum 3. Sonntag im Jahreskreis: Jes 8,23b - 9,3; Ps 27,1.4.13-14; 1 Kor 1,10-13.17; Mt 4,12-23

„Das Evangelium der heutigen Liturgie (Mt 4,12-23) berichtet von der Berufung der ersten Jünger, die am See Gennesaret alles liegen lassen, um Jesus zu folgen. Einige von ihnen waren ihm dank Johannes des Täufers bereits begegnet, und Gott hatte den Samen des Glaubens in sie hineingelegt (vgl. Joh 1,35-39). Und nun kehrt Jesus zurück, um sie dort zu suchen, wo sie leben und arbeiten. Der Herr sucht uns immer, der Herr kommt immer in unsere Nähe, immer. …
Wir müssen lernen, zur Seite zu treten
Lesungen vom 2. Sonntag im Jahreskreis: Jes 49,3.5-6; Ps 40,2 u. 4ab.7-8.9-10; 1 Kor 1,1-3; Joh 1,29-34
„Das Evangelium der heutigen Liturgie enthalt das Zeugnis, das Johannes der Täufer über Jesus ablegt, nachdem er ihn im Jordan getauft hat. Es lautet: »Er ist es, von dem ich gesagt habe: nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war«.
Johannes, der seinen Auftrag erfüllt hat, weiß, wie man zur Seite tritt. Er zieht sich zurück, um Platz für Jesus zu machen. Er hat gesehen, wie der Geist auf ihn herabkam er hat auf ihn als das Lamm Gottes hingewiesen, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, und nun hört er seinerseits demütig zu. Vom Propheten wird er zum Jünger. …