„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Lesungen vom Ostersonntag: Apg 10,34a.37-43; Ps 118; Kol 3,1-4; Joh 20,1-9 und vom Ostermontag: Apg 2,14.22b-33; Ps 89,2-3.4-5; 1 Kor 15,1-8.11; Lk 24,13-35

Auferstehung Jesu Wandteppich in den vatikanischen Museen
„Die Auferstehung des Herrn besiegelt die Erneuerung unseres Menschseins. Christus hat den durch unsere Sünde verursachten Tod besiegt und führt uns zum unsterblichen Leben zurück. Aus diesem Ereignis gehen das ganze Leben der Kirche und die Existenz der Christen hervor. …
Wie können wir dem Herrn begegnen und immer mehr zu seinen wahren Zeugen werden? Der hl. Maximus von Turin sagt: »Jeder, der den Heiland erreichen will, muß ihn als erstes mit dem eigenen Glauben zur Rechten der Gottheit setzen und ihn mit der Überzeugung des Herzens in den Himmel stellen« das heißt: Er muß lernen, ständig den Blick des Geistes und des Herzens auf die Höhe Gottes zu richten, zu der Christus auferstanden ist. Im Gebet, in der Anbetung also begegnet Gott dem Menschen. … Nur wenn wir es verstehen, uns an Gott zu wenden, zu ihm zu beten, können wir den tiefen Sinn unseres Lebens entdecken, und der alltägliche Weg wird vom Licht des Auferstandenen erhellt.“
BENEDIKT XVI. aus dem REGINA CÆLI vom Ostermontag, 25. April 2011
Lesungen zum Palmsonntag: Jes 50,4-7;Ps 22,8-9.17-18.19-20.23-24;Phil 2,6-11;Mt 26,14 - 27,66

Kalkmalerei in einer Dorfkirche auf Moen (DK)
Und dieser Jesus, der die Hosannarufe annimmt, obschon er wohl um das ihm bevorstehende „Ans Kreuz mit ihm!“ weiß, verlangt von uns nicht, ihn bloß auf Gemälden und Fotografien oder in den Videos im Internet zu betrachten. Nein. Er ist in vielen unserer Brüder und Schwestern gegenwärtig, die heute, ja heute Leiden wie er ertragen: Sie leiden unter Sklavenarbeit, unter familiären Dramen, unter Krankheiten … Sie leiden aufgrund von Kriegen und Terrorismus, aufgrund von Interessen, welche die Waffen in Bewegung setzen und sie zuschlagen lassen. Betrogene Männer und Frauen, die in ihrer Würde verletzt und „weggeworfen“ wurden … Jesus ist in ihnen, in jedem von ihnen, und mit jenem entstellten Antlitz oder mit jener gebrochenen Stimme bittet er darum, angesehen zu werden, anerkannt, geliebt zu werden.
Um Jesus treu zu folgen, bitten wir um die Gnade, dies nicht mit Worten, sondern mit Taten zu tun und unser Kreuz geduldig zu ertragen: es nicht abzulehnen oder von uns zu werfen, sondern mit Blick auf ihn es anzunehmen und Tag für Tag zu tragen.
Lesungen zum 5. Fastensonntag Ez 37,12b-14;Ps 130,1-2.3-4.5-6.7-8;Röm 8,8-11;Joh 11,1-45
„Das Herz Christi ist gott-menschlich: In ihm sind sich Gott und Mensch in vollkommener Weise begegnet, ungetrennt und unvermischt. Er ist das Bild, mehr noch: die Menschwerdung Gottes, der Liebe, Barmherzigkeit, väterliche und mütterliche Zärtlichkeit ist, des Gottes, der Leben ist. Deshalb erklärte er Marta feierlich: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben«. Und er fügte hinzu: »Glaubst du das?« (Joh 11,25–26). Eine Frage, die Jesus an jeden von uns richtet: eine Frage, die uns alle sicher übersteigt, die unsere Fähigkeit zu verstehen übersteigt und uns auffordert, uns ihm anzuvertrauen, wie er sich dem Vater anvertraut hat. Beispielhaft ist die Antwort Martas: »Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll« (Joh 11,27). Ja, Herr! Auch wir glauben, trotz unserer Zweifel und unserer Finsternisse; wir glauben an dich, weil du Worte des ewigen Lebens hast; wir wollen an dich glauben, der du uns eine verläßliche Hoffnung auf Leben über das Leben hinaus gibst, auf wahres und volles Leben in deinem Reich des Lichts und des Friedens."
Lesungen zum 4. Fastensonntag: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b;Ps 23,1-3.4.5.6;Eph 5,8-14;Joh 9,1-41
„Dem geheilten Blinden offenbart Jesus, daß er in die Welt gekommen sei, um zu richten, um die heilbaren Blinden von denen zu scheiden, die sich nicht heilen lassen, weil sie meinen, gesund zu sein. Stark ist nämlich im Menschen die Versuchung, sich ein System ideologischer Sicherheit zu bauen: auch die Religion kann zum Element dieses Systems werden, wie auch der Atheismus oder der Laizismus. Wenn man so handelt, bleibt man allerdings vom eigenen Egoismus verblendet. Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns von Christus heilen, der uns das Licht Gottes schenken kann und will! Bekennen wir unsere Verblendung, unsere Kurzsichtigkeit und vor allem das, was die Bibel die »schwere Schuld« nennt (vgl. Ps 19,14): unseren Stolz.“
Lesungen zum 3. Fastensonntag: Ex 17,3-7;Ps 95,1-2.6-7c.7d-9;Röm 5,1-2.5-8;Joh 4,5-42

"All dies geht aus von der wirklichen und spürbaren Erfahrung des Durstes. Das Thema des Durstes durchzieht das ganze Johannesevangelium: angefangen bei der Begegnung mit der Samariterin bis hin zur großen Prophezeiung während des Laubhüttenfestes und zum Kreuz, als Jesus vor seinem Tod sagte, damit sich die Schrift erfüllte: »Mich dürstet«. Der Durst Christi ist eine Eingangspforte zum Geheimnis Gottes, der zum Dürstenden geworden ist, um unseren Durst zu löschen, so wie er arm geworden ist, um uns reich zu machen. Ja, Gott dürstet nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Wie ein guter und barmherziger Vater wünscht er für uns alles erdenkliche Gut, und dieses Gut ist er selbst. Die Frau aus Samarien hingegen stellt die existentielle Unzufriedenheit dessen dar, der nicht gefunden hat, was er sucht: Sie hat »fünf Männer« gehabt, und jetzt lebt sie mit einem anderen Mann zusammen. Ihr Kommen und Gehen zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, bringt ein immer gleiches und resigniertes Leben zum Ausdruck. Alles aber ändert sich für sie an jenem Tag durch das Gespräch mit Jesus, dem Herrn. Es erschütterte sie so sehr, dass sie sich veranlasst sah, den Wasserkrug stehenzulassen, in den Ort zu eilen und den Leuten zu sagen: »Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?«."