"Es geht nicht um das, was wir tun, oder wie viel wir tun, sondern darum, wie viel Liebe wir in das Tun legen, in die Arbeit, die er uns anvertraut hat." Mutter Theresa

Das zu Weihnachten erschienene Licht, das sich heute den Völkern zeigt, ist die Liebe Gottes

Lesungen zum Fest Epiphanie: Jes 60,1-6;Ps 72,1-2.7-8.10-11.12-13;Eph 3,2-3a.5-6;Mt 2,1-12

Lesungen zur Taufe Jesu: Jes 55,1-11;Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6;1 Joh 5,1-9;Mk 1,7-11

 

 Marmorrelief mit der Anbetung der Könige (von P.P. Olivieri, 1599) in Santa Pudenziana in Rom

Das Licht, das in der Weihnachtsnacht erstrahlt ist und die Grotte von Betlehem erleuchtet, wo Maria, Josef und die Hirten in stiller Anbetung verharren, erstrahlt und offenbart sich heute allen. Epiphanie – Erscheinung des Herrn – ist ein Lichtmysterium, symbolisch angezeigt von dem Stern, der den Weg der Sterndeuter lenkte. Die wahre Lichtquelle, »das aufstrahlende Licht aus der Höhe« (Lk 1,78), ist jedoch Christus. … Aber was ist dieses Licht? Ist es lediglich eine eindrucksvolle Metapher oder entspricht dem Bild eine reale Gegebenheit? Der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief: »Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm« (1 Joh 1,5); und später fügt er hinzu: »Gott ist Liebe«. Zusammengenommen verhelfen uns diese beiden Aussagen zu einem besseren Verstehen des Geschehens: Das zu Weihnachten erschienene Licht, das sich heute den Völkern zeigt, ist die Liebe Gottes, die in der Person des fleischgewordenen Wortes offenbar geworden ist. Angezogen von diesem Licht treffen die Sterndeuter aus dem Osten ein. …

Im liturgischen Kontext des Hochfestes der Epiphanie wird auch das Geheimnis der Kirche und deren missionarische Dimension deutlich. Sie ist gerufen, das Licht Christi in der Welt leuchten zu lassen, indem sie es in sich widerspiegelt, wie der Mond das Licht der Sonne reflektiert. In der Kirche haben sich die alten, auf die heilige Stadt Jerusalem bezogenen Prophezeiungen erfüllt, wie jene großartige Weissagung des Jesaja, die wir vorhin gehört haben: »Auf, werde licht, denn es kommt dein Licht […]. Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz« (Jes 60,1–3). Das werden dann die Jünger Christi verwirklichen müssen: Nachdem sie von ihm unterwiesen wurden, ihr Leben nach den Seligpreisungen zu gestalten, sollen sie durch das Zeugnis der Liebe alle Menschen zu Gott hinziehen: »So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« (Mt 5,16). Wenn wir diese Worte Jesu hören, können wir als Glieder der Kirche freilich nicht über die ganze Unzulänglichkeit unseres von der Sünde gezeichneten menschlichen Zustandes hinwegsehen. Die Kirche ist heilig, sie besteht aber aus Männern und Frauen mit ihren Grenzen und Fehlern. Es ist allein Christus, der dadurch, daß er uns den Heiligen Geist schenkt, unser Elend zu ändern und uns ständig zu erneuern vermag. Er ist das Licht der Völker, »lumen gentium«, der beschlossen hat, die Welt durch seine Kirche zu erleuchten (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 1).

Aus einer Predigt von Benedikt XVI. vom 6. Januar 2006