"Das ganze Leben geht auf eine Begegnung zu." Benedikt XVI.

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Auferstehungs - Euphorie?

Predigt:  2. Sonntag in der Osterzeit Evangelium:  Joh 20, 19-31 (Predigt hier als pdf)

Liebe Schwestern und Brüder,

Auferstehungseuphorie, wie wir diese oft in der Osterzeit besingen, sieht etwas anders aus, finden Sie nicht auch? Die Jünger schließen sich ein, verstecken sich quasi vor der Welt da draußen. Wenn wir uns aber die Brutalität der Besatzungsmacht aus Rom und die ablehnende Haltung der damaligen religiösen Führer gegenüber den Christen dabei betrachten, ist dies auch wieder nicht so verwunderlich gewesen. Auferstehung hin oder her!

Außerdem war es, auch aus der Sicht vieler Jünger, gar nicht so ganz klar, ob das überhaupt stimmte, die Sache mit der Auferstehung Jesu. Auch wenn viele davon immer wieder berichtet hatten, niemand wusste so ganz genau, was da nun wirklich dran war. Selbst der engste Kreis, die Apostel, die Jesus nach dem grausamen Tod am Kreuz wenige Tage später wiedergesehen hatten, waren sich nicht wirklich sicher (Mk 16, 10- 14).

Und trotzdem keimte in allen ganz tief im Herzen die Freude und die Hoffnung, dass das, was sie selbst erlebt hatten und was sich durch die Mundpropaganda wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, doch wahr war. Das was sich damals ereignet hatte, war ja auch sprichwörtlich ungeheuerlich und eigentlich auch unmöglich. Kein Mensch konnte so etwas wirklich glauben, oder?

Wir heutzutage, wenn wir mal ganz ehrlich zu uns selbst sind, haben da auch so unsere Probleme damit. Es ist eben für den normalen Menschenverstand einfach unvorstellbar!
Deswegen ist mir auch von allen Aposteln, der Hl. Thomas am sympathischsten, denn er sagte das, was alle wahrscheinlich mehr oder weniger doch gedacht haben. Er redete endlich mal Tacheles, sinngemäß: „Wenn ich Jesus nicht anfassen kann, glaube ich nicht, dass er auferstanden ist! Auf all das Gerede gebe ich nicht viel!“ Erstaunlich ist für mich nur etwas, dass selbst Thomas seinen Mitbrüdern jetzt nicht unbedingt vertraute, denn sonst hätte er ihnen doch einfach glauben können, oder? Wir tun es doch auch!
Ja, liebe Schwestern und Brüder, wie gehen wir denn eigentlich mit Dingen um, die für uns unwahrscheinlich, ja unmöglich klingen? Gehören wir eher zu der Gruppe von Menschen, die alles wissenschaftlich bewiesen haben möchten? Und glauben wir demzufolge dann nur das, was wir sehen und was uns die Wissenschaft als tatsächlich existent zurückmeldet?

Oder gehören wir zu den Menschen, die auch mal an das Unmögliche glauben können, Zweifel inklusive. Denn ein Glaube ohne gelegentliche Zweifel, ist letztlich kein richtiger Glaube! Können wir uns denn von dem Gedanken faszinieren lassen, dass es ein Leben nach dem Tode gibt? Oder leben wir eher nach dem Motto: „Was wir haben wissen wir, aber was wir bekommen werden, dass wissen wir nicht!“

Zugegeben, niemanden fällt es wirklich leicht daran zu glauben und wir müssen uns dafür auch nicht schämen. Wichtig dabei ist nur, dass wir, wie die Apostel auch, immer wieder dranbleiben und den Glauben immer wieder neu mit Leben erfüllen. Doch wie? Empfehlungen dafür gibt es zur Genüge und diese sind auch alle sicherlich richtig und gut. Aber alles steht und fällt eigentlich mit dem Vertrauen.

Wem ich nicht vertraue, dem glaube ich auch nicht. Da kann dieser sonst etwas von sich behaupten, wir werden diesen nicht für voll nehmen.
Auf unseren Glauben übertragen heißt das, wenn wir unser Vertrauen gegenüber Gott wieder mehr schärfen, werden wir im Glauben auch besser vorankommen.
Das heißt aber nicht, dass wir dann über jeden Zweifel erhaben sind, nein, eine gewisse Restunsicherheit wird es immer geben. Das tägliche Leben zeigt uns, dass immer wieder ganz deutlich. Oder haben Sie nicht doch immer ein bisschen Zweifel, wenn Sie in ein Flugzeug steigen oder wenn Sie zu einem Arzt gehen? Natürlich vertrauen Sie darauf, dass der Pilot fliegen und der Arzt Ihnen auch helfen kann, aber unser Leben lehrt uns, dass auch das nicht zwingend so sein muss.

Liebe Schwestern und Brüder, lange Rede kurzer Sinn, wir sind dann in unserem Glauben schon etwas besser vorangekommen, wenn wir ein bisschen mehr Gottvertrauen besitzen würden und wenn wir Zweifel, wie der Hl. Apostel Thomas auch zulassen. Denn das macht uns Christen zu Menschen und zu Jüngern Jesu, denn diese waren sich zu keiner Sekunde letztlich hundertprozentig sicher, ich bin es mir übrigens auch nicht! Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen.
Ihr Pfarrer Markus Johannes Scholz