"Wenn Sie in die Welt hineinschauen, sehen Sie keinen Himmel, aber Sie sehen überall die Spuren Gottes." Benedikt XVI.

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Predigt von Pfarrer Scholz zum Palmsonntag

Palmsonntag Jes 50,4-7;Ps 22,8-9.17-18.19-20.23-24;Phil 2,6-11;Mt 26,14 - 27,66    Predigt als pdf

Liebe Schwestern und Brüder,

eigentlich ist der Palmsonntag oft für uns Priester predigtfrei, da uns oft bei einem Evangelium zur Palmenweihe und der Passion in der Hl. Messe selbst, die Zeit etwas zu lang wird. Außerdem haben wir in der Regel auch noch mehrere Gottesdienste an einem Vormittag, da wird Zeit etwas knapp. Aber dieses Jahr ist vieles ganz anders und wir werden den Palmsonntag in seiner herkömmlichen Form leider nicht feiern können oder auch nicht dürfen.

Auch wenn uns das in diesem Jahr gar nicht so vorkommen mag, die kommenden Tage sind wohl die intensivsten des Kirchenjahres und nicht nur das, sie sind auch die Wichtigsten. Eingeleitet wird die Karwoche, auch als Heilige Woche bezeichnet, durch den Palmsonntag. Ein Tag des Widerspruches zu dem was einige Tage später noch kommt.

Heute jubeln die Menschen dem Herrn noch zu und rufen: „Hosianna dem Sohne Davids!“, ein paar Tage später aber: „Kreuzige ihn!“ Was für ein Gegensatz! Ja, so sind wir im Grunde auch oft, erst Himmel hoch jauchzend und dann zu Tode betrübt. Ich glaube der heutige Palmsonntag hält uns etwas den Spiegel vor, denn wir sind heute nicht einfach nur Zuschauer einer Jubelszene in Jerusalem, nein, wir sind eigentlich auch die Akteure.

Auch wenn über 2000 Jahre seit dem damaligen Ereignis vergangen sind, wir sind nicht viel anders geworden: Kommt ein neuer Papst, Bischof oder Pfarrer, dann ist die Euphorie zu Beginn groß. Aber ein paar Tage oder Wochen später tritt Ernüchterung ein, weil der Neue dann doch nicht so ist, wie erwartet. Oder wenn wir etwas Neues angeschafft haben, dann sind wir ganz stolz darauf und würden am liebsten jedem davon erzählen, ein paar Wochen später allerdings, nehmen wir es kaum noch wahr.
So ist der Mensch eben, schnelllebig und in seiner Begeisterung nicht unbedingt sehr beständig. Auf unser aller Leben geschaut, scheint dies auch völlig normal zu sein und eigentlich auch nicht schlimm. Doch manchmal kann solch eine Schnelllebigkeit im wahrsten Sinne des Wortes zum Tode führen. Beziehungen sterben ab, zum Beispiel.
Oder Menschen resignieren, geben auf, weil die ganze Energie, die sie zu Beginn aufgewendet haben, einfach so ins Leere führt und sich in ihrem Leben doch leider nichts ändert. Andere wiederum wenden sich voller Euphorie Gott zu und dann……werden sie enttäuscht von Menschen oder gar von Gott selbst. Erst „Hosianna dem Sohne Davids!“ doch dann „Kreuzige ihn!“ Und wir heute, in der Situation von Corona?

Fühlen wir uns da nicht auch manchmal etwas ertappt, bei dem Gedanken, warum erwischt es uns oder gerade mich, meinen besten Freund oder Freundin, Arbeitskollegen oder meine Angehörigen? Sind wir da nicht auch oft in der Versuchung unser anfängliches „Hosianna dem Sohne Davids“ gegen das „Kreuzige ihn!“ einzutauschen?
Liebe Schwestern und Brüder, wir werden grundlegende menschliche Verhaltensmuster nicht ändern können, dass geht auch gar nicht. Aber wir können diese Verhaltensmuster auf ein festes Fundament des Vertrauens aufbauen. Eines Vertrauens, das im wahrsten Sinne des Wortes nicht von dieser Welt ist. Ein Vertrauen, das Petrus in der Nacht der Verleugnung zurück ins Leben gebracht hat. Ein Vertrauen, was nicht Halt macht vor den menschlichen Unzulänglichkeiten, auch nicht vor schweren Schicksalsschlägen und letztlich auch nicht vor dem Tod.

Ein Vertrauen, was wir nur im Glauben an den auferstandenen Herrn finden werden. Das sicherlich bei jedem Menschen ganz unterschiedlich ausgeprägt sein kann, bei dem einen mehr und bei dem anderen etwas weniger, aber dennoch alle trägt, die an Christus glauben. Ein Vertrauen in die vergebende Barmherzigkeit Gottes, die mehr ist, als wir darunter in der Regel verstehen. Woher ich das weiß?

Das werden Sie sich sicherlich jetzt fragen! Ich weiß es nicht - doch, wenn wir die Heilige Schrift lesen und uns das Leben Jesu genau betrachten und nicht einfach nur überfliegen, dann lässt dies gar keinen anderen Schluss zu, als dass der Herr die vergebende Barmherzigkeit schlechthin ist, sozusagen Vergebung pur. Dabei geht es nicht um das wieso, weshalb und warum? Und auch nicht, ob wir einen großen oder kleinen Glauben, großes oder kleines Vertrauen besitzen, da geht es nur um Liebe.
Denn nur die reine Liebe ist überhaupt dazu in der Lage echte Vergebung zu leisten, kann uns Menschen wirklich „ent-schuldigen!“

Überall dort, wo wir echte Vergebung erfahren, wo wir nicht nach dem beurteilt werden, was wir einmal gesagt oder getan haben, wo wir wirklich neu beginnen dürfen, wo Mitleid echter Wertschätzung weicht, dort ja dort wirkt die vergebende Barmherzigkeit, ist Vergebung pur!

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche Ihnen und Ihren Familien, dass Sie diese vergebende Barmherzigkeit unseres Herrn annehmen können, damit das Vertrauen weiterwachsen kann, auch und gerade in dieser Zeit. Amen.

Herzliche Grüße und gesegnete Kartage.
Ihr Pfarrer Markus Johannes Scholz