"Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht." Benedikt XVI.

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Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Jes 55,1-3;Ps 145,8-9.15-16.17-18;Röm 8,35.37-39;Mt 14,13-21

Wenn wir die feierliche Einleitung dieses Wunders lesen, wo es heißt: „Er blickte auf zum Himmel sprach den Segen brach das Brot und gab es ihnen“. Es sind die gleichen Worte, die dann am Abend vor seinem Leiden wiederkehren.

Und so ist dies wie ein vorweggenommenes Ostermahl, wie eine vorweggenommene Eucharistie. Der Herr weiß, dass im Menschen mehr hungert als der Magen. Der Herr weiß, dass der Mensch nicht nur vom Brote lebt, er gibt uns mehr. Er gibt uns in seinem Worte sich selbst. Er gibt uns jene Antwort der ewigen Liebe und der ewigen Wahrheit, ohne die keine Sättigung zureicht. Er gibt uns das „Wozu“ das erst allem „Was“ seinen Sinn verleiht. Er zeigt uns wovon der Menschen in Wahrheit lebt, dass er erst dann lebt und alles andere sich ordnet und recht wird, wenn ihm die Antwort auf seine innerste Frage wird, wenn er nicht nur endliche Dinge erhält sondern das Unendliche die unendliche Liebe, Ihn selbst. Er gibt uns sich und hält diese geheimnisvolle Brotvermehrung, in der er immerfort sich neu austeilt bis ans Ende der Tage. So ist diese Brotvermehrung Zeichen des eucharistischen Geheimnisses seiner innersten Sättigung und auch Zeichen des ewigen Mahles, in dem er für immer mit uns zu Tische sitzen und unsere Sättigung sein wird. Das Evangelium dieses Tages ist damit Weisung und Verheißung zugleich. Es fordert Entscheidung und verheißt Gnade, verheißt Gottes liebende Güte.

Joseph Ratzinger