"Nur die Kirche kann den Menschen vor der erniedrigenden Knechtschaft bewahren, ein Kind seiner Zeit zu sein." C. K. Chesterton

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Gott handelt wie ein Liebender

15. Sonntag im Jahreskreis: Jes 55,10-11;Ps 65,10.11-12.13-14;Röm 8,18-23;Mt 13,1-23

„Gott handelt nicht wie ein Despot, sondern wie ein Liebender. Er sucht Freiheit und gibt sie, er senkt seinen Samen in die Erde und wartet, dass er Frucht trägt.

Und gerade darin ist ja nicht ohnmächtig, sondern wieviel auch von diesem Samen verloren geht und zertreten wird, es gibt Frucht, dreißig-, sechzig-, und hundertfach und das Wort Gottes kehrt nicht leer zurück und ist gerade in seiner Demut nicht wirkungslos. Und während die Spuren der Gewalt wieder verwehen und am Ende nur noch eine dunkle Erinnerung bleibt, wächst das Beständige bleibt die Geduld dessen, was reifen darf. Und so ruft der Herr den Jüngern und uns zu, ihm zu trauen, auch wenn er in dieser Welt in der ohnmächtigen Gestalt von Wort und Same auftritt. Nicht der Gewalt und dem „Macherrischen“ uns anzuvertrauen, dem Kurzfristigen und Kurzlebigen, das verweht Wie die Spreu vor dem Wind, auch wenn es im Augenblick noch so wuchtig und massig dasteht, sondern dem, das Geduld hat, das reifen kann und das das wahrhaft Bleibende ist. Der Ruf zum Vertrauen, den der Herr uns einsenkt, ist zugleich eine Herausforderung, dass wir selbst auf sein Wort hin leben. Dass wir‘s mit diesem Wort wagen, dass wir nicht Menschen der Oberflächlichkeit sein, die nur Erbe für einen Tag haben und in denen das Beständige keinen Raum findet, dass wir nicht vom Reichtum und Vergnügen und dem Dornengestrüpp des Alltäglichen und des Irdischen die Erde unseres Herzens verdecken lassen, sondern dass wir wahrhaft offenstehen der Kraft seines Wortes und Frucht bringen in Geduld.“

Joseph Ratzinger